Acht Wochen – Dinge geregelt kriegen

Guten Morgen, liebe Welt,

nur noch sporadisch und nicht mehr so häufig hier zu schreiben ist erstmal ein gutes Zeichen. Der Alkohol nimmt nicht mehr mein tägliches Denken ein. Also nicht vordergründig. Ich staune trotzdem: Dieses Mal fühlt sich das Aufhören so anders an. So richtig und irgendwie einfacher und selbstverständlicher. Und bewusster. Zu denken „nie wieder Alkohol“ ist eher eine Erleichterung als ein herber Verlust. Und mir ist klarer, dass schon ein Glas alles zunichte machen kann. Dass ich dann „zurück auf Start“ müsste. Das möchte ich nicht.
Natürlich kann ich mir nicht sicher sein, nie wieder zu rückfällig zu werden; wer weiß, was die Zeit und die Jahre bringen. Vor allem, je mehr Zeit vergeht, um so leichtsinniger könnte man schlimmstenfalls mit dem Trockensein umgehen und verdrängen, was das erste Glas wieder auslöst. Ich schau einfach und hoffe, dass alles gut bleibt.

Es gibt so einige positive Veränderungen, die mit der Abstinenz einhergehen. Manches habe ich erst beim genauen Hinsehen bemerkt. Meine Haare sind jetzt viel schöner. Ich hatte bis vor Kurzem nur noch trockenes, sprödes Haar und extrem Haarausfall. Am Liebsten wollte ich sie täglich waschen, damit es ordentlich aussieht. Und nun glänzen sie wie verrückt, sind super weich und waschen bräuchte ich nur alle drei Tage (oder nach dem Sport sowieso). Haarausfall ist auch Geschichte. Das ist echt unglaublich. Aber es liegt wohl daran, dass nun kein Alkohol mehr meinem Körper Flüssigkeit entzieht und ich zusätzlich viel Tee und Wasser trinke.
Ich bin beim Sport nun viel fitter. Seit drei Wochen habe ich den Trainingsplan, übe regelmäßig und merke, wie sich Ausdauer und Kraft steigern. In kleinen Schritten, aber das reicht mir ja. Und es tut mir so gut.

Ich brauche keine täglichen Kopfschmerztabletten mehr.

Gelassenheit: Die extremen Panikattacken sind weg. Ich hatte das so oft, dass ich plötzlich meine ellenlange to-do-Liste vor Augen hatte und so Angst, das alles nicht zu schaffen. Nachts aufgewacht und schlaflos rumgewälzt. Gestresst und hektisch durch die Gegend gerannt mit der Sorge, nicht schnell genug, nicht perfekt genug, nicht termingerecht… zu sein. Und jetzt? Erledige ich in Ruhe eines nach dem anderen und schaffe trotzdem alles so gut es geht. Und denke: Nicht perfekt ist immer noch genug. Ich fühle mich auch nicht mehr so gstresst. Liegt aber sicher auch daran, dass ich nun mehr Zeit hab. Irgendwie. Abends nicht mehr zu trinken schafft Zeit. Ich lese stattdessen oder koche (ja, neue Herausforderung… gesunde Ernährung) oder gehe zum Sport. Oder einfach nur ins Bett.

Und ich denke jetzt länger über bestimmte Situationen nach und reagiere nicht sofort (über). Da hat mir Alkohol oft den Blick vernebelt oder Lappalien aufgebauscht, so dass ich so oder so entweder zu spät, falsch oder überreagiert habe. Jetzt irritieren mich bestimmte Momente trotzdem noch, aber ich unterdrücke den Impuls der Spontanreaktion (oder des beleidigt seins oder was immer) und schlafe stattdessen meistens erstmal eine Nacht drüber. Das schafft Distanz und mehr Klarheit. Und oft passiert es, dass es mir dann nur noch nichtig erscheint, um mich darüber aufzuregen.

Ich bin nicht plötzlich ein neuer Mensch, aber vieles fühlt sich wie neu und spannend an. Aber auch noch total fragil.

Für heute in Liebe
Eliza

 

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