Guten Morgen alle,

ich hätte allen Grund zum Jubeln: zwei ganze Monate schon alkoholfrei. Aber ich bin auf der Hut. Gestern schrieb eine Frau in der Gruppe, sie wäre nach drei Monaten dem Wein wieder erlegen. Hätte sich zwei Flaschen gekauft, davon ein Glas getrunken und am nächsten Morgen reuevoll den Rest weggeschüttet. Nun ist sie voller Selbsthass und hadert mit sich. Nur ein Glas… Auch wenn es gestern dann nur eines war, der Dämon ist geweckt und sie beginnt nun gedanklich den Kampf gegen die Sucht von vorn. Befürchte ich. Auch wenn nach so langer Zeit der Abstinenz das erste Glas,, der erste Schluck im Grunde gar nicht schmecken (so ging es mir), die Synapsen erwachen mt den Erinnerungen zum Leben und wollen mehr, mehr , mehr… Nicht sofort, aber vielleicht  Tage später und wenn man dann nachgibt, ist man zack wieder beim alten Pegel. Ist wie mit dem Rauchen, wie nach einer Diät. Jojo. Man glaubt, eine Ausnahme sei nicht schlimm, aber das kann so widerwärtig hinterhältig sein.Glaubt mir, ich habe das selbst erlebt. Nur ein Glas Wein nach 105 Tagen ohne, weil mein Sohn Geburtstag hatte und wir mit der Familie essen waren…. Ich dachte, ich könnte das kontrollieren… Und dann? Musste ich erst wieder acht Monate viel trinken bis ich wieder zur Besinnung kam. Ich hoffe sehr, der Frau geht es nicht so und sie schafft es eher.

Am Freitag hatte ich den Abschied vom Verein, weil letzte Vorstandssitzung in diesem Jahr und es gab – Überraschung – eine Flasche Wein… Oh jeh, jetzt habe ich schon zwei… Die eine liegt in der Garage, die zweite fährt im Kofferraum spazieren. Beide haben Wohnungsverbot. Besser ist das gerade, da emotionaler Stress und ich sehr gefährtdet bin. Ich weiß noch gar nicht wie das Weihnachten werden kann, da ist die Familie im Haus und der offene Wein wird rumstehen. Am Besten ich wappne mich innerlich und dann wird es funktionieren. Fies sind ja eher die Situationen, die unangekündigt aus dem Nichts auftauchen: eine Freundin hat drei Sorten Pralinen selbst gemacht und ich sollte probieren. Leider war überall Alkohol drin. Und obwohl ich so unglaublich gern gekostet hätte – Rumkugeln und Mandel-Trüffel – hab ich dankend abgelehnt. Wegen des  Alkohols, und das habe ich auch so gesagt.

Apropos Verzicht: Ich gehe nun auch den überbordernden Süßigkeitenkonsum aktiv an und verzichte bewusst so gut es geht auf Kekse, Lebkuchen, Spekulatius usw. Da war ich gar nicht mehr zu bremsen… Aber seit Mittwoch schaffe ich das recht gut, nicht mehr so wahllos alles in mich hineinzustopfen. Ich denke, das hat auch mit dem Alkoholentzug zu tun: her mit dem Zucker, Zucker, Zucker… geht auch vielen so. Stattdessen koche ich jetzt für mich und meinen Sohn nach neuen Rezepten und gestern waren wir gemeinsam beim Sport. Er will es nun auch noch mal angehen und bekommt heute einen Trainingsplan zusammengestellt.

Sport ist gerade das Einzige, das mich vom inneren Druck befreit, zumindest für eine Zeit. Die Adventstage sind für mich lange schon eine Zeit, mit der ich nicht umgehen kann. Ich wäre da gern wie andere: die Wohnung dekorieren, besinnliche Stunden verbringen, Geschenke basteln und mich – verdammt nochmal – auf Weihnachten freuen. Aber ich kriege das auch nicht hin. Mich stresst diese Zeit emotional und ich bin wahnsinnig angespannt und depressiver als sonst. Vielleicht, weil mir Familie fehlt?

Für heute alles Liebe
Eliza