Liebe Welt,

es gibt mich noch. Und ja, ich bin im siebenten trockenen Jahr. Unglaublich gut. Aber bei Weitem kein Spaziergang wie Aussenstehende meinen könnten. Klar, es gibt überwiegend gute Tage, an denen ich nicht an Alkohol denke. Aber… Ich hatte ich den vergangenen drei Jahren, in den ich hier von der Bildfläche verschwunden war, auch unglaubliche Tiefs mit Mometen, die ich unglaublich gern weggetrunken hätte. Während meiner fetten Depression vor drei Jahren zum Bespiel. Oder als mein jüngster Sohn zu Hause ausgezogen ist und ich plötzlich ein leeres (Kinder-) Zimmer in der Wohnung übrig hatte. Der Tod zweier Freunde im vergangenen Jahr. Und aktuell die plötzliche Trennung von meinem Partner nach sieben Jahren Beziehung.
Zum Glück sind es immer nur kurze Sequenzen, in denen mein Kopf nach Alkohol verlangt. Bisher habe ich nie nachgegeben. Aber ich muss vorsichtig bleiben und gut auf mich aufpassen.

Dazu gehört vielleicht auch, den Blog hier weiterhin exisieren zu lassen und bestenfalls wieder regelmäßig zu füllen. Jedes Jahr im Januar bekomme ich die Erinnerung von WordPress, dass wieder ein Jahr vorbei ist und die Abo-Gebühr fällig wird, so ich denn verlängern möchte. Jedes Jahr frage ich mich: Möchte ich die Laufzeit verlängern? Im vorigen Jahr war ich wild entschlossen, das „Buch“ hier zu schließen und mich abzumelden, da ich so lange nichts gepostet habe. Nicht, weil ich nichts zu schreiben hätte, aber der Fokus meines Lebens hat sich verschoben und Alkohol soll nicht mehr so im Mittelpunkt stehen. Nur Teil meiner Geschichte sein. Aber nun habe ich in meinen Erinnerungen hier gelesen. Wie alles begann: die ersten Tage und Wochen der Nüchterheit, aus denen dann Monate und inzwischen Jahre wurden. Alle meine Gefühle und Ängste, die Erlebnisse, meine Familie, die Freunde und was mich über die Zeit begleitet und gerettet hat.

Es ist kein Blog, der viel frequentiert wird, und die Abonnentenzahl ist sehr überschaubar. Aber dann und wann lesen hier doch Menschen, die Statistik lügt ja nicht… Und ab und an kommentieren Leser, vielleicht Betroffene, die sich in verschiedenen Beiträgen wiederfinden. Vielleicht, vielleicht, vielleicht… konnte ich irgendjemanadem „da draußen“ mit meinen Erfahrungen ein wenig Mut machen und Hoffung geben, dass es einen Weg aus der Sucht gibt. Allein dafür lohnt es sich doch, den Blog geöffnet zu lassen und fortzuführen, denke ich nun. Möglicherweise mit anderen Themen, die ähnlich brisant und stigmatisiert sind wie Alkoholismus.

Ich hoffe, es geht euch allen gut.

Bis bald und in Liebe

Eliza