Tag 31 – Der Teufel hat den Schnaps gemacht

Guten Morgen ihr alle,

ich weiß noch nicht, ob ich das positiv erleuchtend oder ungesund ermüdend finden soll: morgens um 4.30 Uhr wach zu werden und sogar aufzustehen, um gleich darauf mit einem ersten heißen riesigen Kaffeepott am Laptop zu sitzen, um hier zu schreiben. Draußen: unter Null. Hier in der Küche: gemütlich warm, Heizung bollert, Kerze brennt, Leselampe leuchtet. Ansonsten: Stille. In einer Stunde steht mein Sohn auf und dann bin ich wieder als „working mum“ gefragt. Jetzt aber, diese eine stille Stunde, gehört mir. (Auch wenn ich noch totmüde bin und heute Abend um 19 Uhr nur noch ins Bett will…)
Fazit: Ich bin beides. Positiv müde. ;o)

Gestern habe ich schon mal ein bisschen die sprichwörtlichen Hosen runter gelassen und erste peinliche Momente aus meinem Alkoholikerinnen-Leben beschrieben.
Dann mache ich heute wohl weiter damit, die Pflaster von der Haut zu reißen und über die wirklich unangenehmen Momente mit Alkohol zu schreiben. Es kann nicht weh genug tun, um mir bewusst zu machen, was diese Droge auslöst. Ich denke, die Liste wird immer unvollständig bleiben, da „Filmriß“ unbedingt dazu gehört. Mir fehlen schlicht Erinnerungen und das sehe ich dann auch mal positiv: bloß gut.

Also:
– 16. Geburtstag: Streit mit der Mutter, Flucht in die Disco, zu viel Orangensaft mit Wodka, daheim das große Erbrechen im verschlossenen Bad und ein Schwächeanfall auf dem Klo; vor der Tür besorgte Eltern, die sich dann Zutritt verschafften und mich irgendwie ins Bett brachten

– Jugendlager an der Ostsee: Unmengen an Pfefferminzlikör im Zug und Kaffeelikör auf einer Schiffsreise, peinliche Ausfälle und Auftritte auf der Zugtoilette und vor Lieblingslehrern, die dabei waren

– Einladung beim Polterabend eines früheren Klassenkameraden mit 19 (?): ich war bereits verheiratet und hatte ein Kind; abgeschleppt werden, wildes Knutschen im Park … und „Filmriß“… Ich weiß bis heute nicht wie ich nach Hause kam und wer der Typ war

– betrunkene Telefonate

– theatralische SMS und WhatsApp-Nachrichten an Ex-Freunde (ja, auch genuschelte Sprachnachrichten…)

– Schamgefühle am Altglascontainer (vor allem Grünglas für die leeren Rotweinflaschen)

– Weineinkäufe im Supermarkt immer in Komination mit anderen Produkten, um das verschleiern und immer im Wechsel in verschiedenen Märkten;

– unbehandelte vermutete Alkoholvergiftungen (oder nahe dran?) mit motorischen Totalausfällen und tagelanger Übelkeit / zu viel Alkohol und/oder zu viel Durcheinander

– unter Alkohol neige ich leider dazu, mich dem Gegenüber komplett zu offenbaren und meine Geheimnisse und Befindlichkeiten preis zu geben; ich finde mich geistreich und interessant, der andere/die anderen mich vielleicht nur unangenehm aufdringlich und extrovertiert

– ein „Kindpinkeln“ in der Nachbarschaft vor sechs Jahren: Sekt und Schnaps in ungesunden Mengen; daheim passte meine Tochter (zu Besuch) auf ihren kleinen Bruder auf; ich wollte nicht zu spät daheim sein und hatte auch das Handy für Notfälle dabei; nachts um 1.30 Uhr torkelte ich endlich heimwärts; zu Hause: eine aufgelöste enttäuschte Tochter wartend auf dem Sofa, unzählige ihrer verpassten Anrufe auf dem Display; sie hatte Hilfe gebraucht und sich Sorgen gemacht und ich hatte sie hängen lasssen – unverzeihlich

– betrunken Auto fahren (Ich weiß, auch unverzeihlich.)

– bei Besuchen in der Heimat bei meiner Mutter: Ich habe mir heimlich Wein gekauft und die Flasche im Kofferaum meines Autos deponiert. Obwohl es bei meiner Mutter ein offenes Weinregal gibt und ich (theoretisch) jeder Zeit eine Flasche öffnen und trinken dürfte. Nur wollte ich einfach nicht darauf angesprochen werden (oder mich nur darin beobachtet fühlen) wie viel ich denn tränke und vor allem: ab wann; Ich wollte „frei“ sein in meinem Konsum und meinem Verlangen in Uhrzeit und Menge immer nachgeben können

– ich bin betrunken öfter (auch öffentlich) gestürzt und habe blaue Flecken davon getragen, habe wildfremde Menschen angesprochen und belästigt, im Rausch sogar mir fremde männliche Internetbekanntschaften spontan nach Hause eingeladen für einen ONS, mich auf einer Seitensprung-Plattform angemeldet usw.

Wow, viele Pflaster, viele wunde Stellen, die Haut schmerzt. Je länger ich schreibe, um so mehr Erinnerungen kommen.
Ich möchte das alles hinter mir lassen und auch so nie wieder herausfordern. Es liegt allein an mir.

Für heute in Liebe
Eliza

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