Tag 21 – Ausnahmezustand

Liebe Welt,

5 Uhr morgens und ich sitze totmüde und mit brennenden Augen vor dem Laptop. Warum?

Konnte ich in den ersten Tagen meiner neuen Nüchternheit von 19 Uht abends bis 5 Uhr morgens stundenlang am Stück schlafen und war fit, plagt mich seit Tagen die Schlaflosigkeit. Ich wälze mich noch zu später Stunde voller Gedanken in meinem Bett und finde keinen Schlaf; ich wache wieder (wie früher)  häufig gegen 3.30 Uhr auf und warte darauf, dass der Wecker klingelt. Natürlich schlaucht das: Am Tage bin ich kaputt und furchtbar müde. So kommt es, dass ich nach der Arbeit nur noch unglaublich erschöpft bin und nichts mehr schaffe. In „alten Zeiten“ war das der Moment für Alkohol – ein „schönes“ Glas Wein zum Entspannen (Okay: drei Gläser. Eine Flasche Wein. Manchmal mehr.)
Nun muss ich aufpassen. Müde zu sein, gestresst, emotional angeschlagen (egal ob traurig, wütend, glücklich, stolz usw.) … das sind meine Trigger-Momente.

Ich befinde mich im Ausnahmezustand: dünnhäutig, hochemotional, sensibel mit depressiven Schüben. Das gehört zum Entzug dazu, heißt es. Jede Sucht hat seine Gründe: es geht oftmals um Verdrängung. Die Realität wird ausgeblendet. Ich glaube, auch ich gehöre dazu. Gefühle wie Ängste vor der Zukunft, vor dem Versagen, um meine Kinder, nicht gut genug zu sein, nicht zu wissen wer ich wirklich bin, was ich kann – die Liste ist endlos. Alkohol hat all das ummantelt und zugedeckt. Ich brauchte nicht hinschauen und konnte mir mit dem Rausch neue Illusionen schaffen. Plötzlich schien alles möglich und ich sprudelte vor Zuversicht und Ideen, war kreativ in meinen Texten. Bis zum nächsten Morgen, dem nüchternen Erwachen voller Selbsthass und Schuldgefühle. Ein elendiger Kreislauf.

Jetzt liegen die Gefühle bloss und schutzlos da. Nichts deckelt sie mehr und ich muss mich damit auseinandersetzen. Das verunsichert mich und macht mich dünnhäutg. Aber ich möchte das zulassen und endlich erwachsen werden. Ich glaube, das war ich noch nie wirklich.

Für jetzt alle Liebe

Eliza

 

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