Hallo ihr Lieben,

beinahe 250 Tage sind seit dem letzten Eintrag vergangen. Seit April ist viel geschehen, aber das Wichtigste vorweg: Ich bin nüchtern geblieben. Meinen zweiten Trockengeburtstag habe ich am 1. Oktober mit einem gemalten Herz für mich im Kalender gemarkert. Mehr Tamtam brauchte ich nicht. Ich freue mich still in mich hinein.

In zwei Tagen ist schon wieder Silvester; das vergangene Jahr scheint noch viel rasanter unterwegs gewesen zu sein. Ich erinnere mich noch so gut an mein Resümee hier vor einem Jahr. Als wäre es gestern gewesen. Ich habe meine Bucket list hervorgekramt und geschaut, was ich mir für 2021 vorgenommen hatte. Und was davon ich tatsächlich erfüllt habe.

Ich bin nüchtern geblieben, war eine gute Freundin (denke ich), habe mit Hilfe eines guten Mentors (Danke Reiner!) mit meiner Selbstinventur begonnen und die ersten vier der zwölf Schritte der AA reflektiert, war in einem Druckworkshop kreativ, habe Kunst verschenkt, bin den Halbmarathon tatsächlich noch einmal vor meiner eigenen Haustür (ohne Wertung, ohne Zuschauer und nur für mich) gelaufen, habe mir eine viertägige Wellnessauszeit in einem Spa-Hotel gegönnt. Ein Bruchteil dessen, was ich wieder auf dem Zettel hatte, aber rückblickend doch eine wirklich ausreichende Menge spannender Momente. Dass ich mir per se immer zu viel vornehme, ist ja meine Crux.

Wichtiger aber sind all die Dinge, die in diesem Jahr ohne Plan passiert sind und meinem Leben eine neue Richtung gegeben haben. Ich bin Oma eines entzückenden kleinen Jungen geworden und habe erfahren, dass es Liebe auf den ersten Blick nicht nur für Eltern gibt. Im April hat mich eine mittelschwere Depression umklammert und erst mehr als ein halbes Jahr später und mit Hilfe von Tabletten wieder locker gelassen. Zudem habe ich mich im Job so sehr verausgabt, dass ich chronisch erschöpft und ausgebrannt war.
Doch nichts geschieht ohne Grund. Ich habe mich an meine innere Stärke aus früheren Zeiten erinnert, dass ich Dinge ändern kann und den Mut dafür habe: Ich habe bei meiner Ärztin um Hilfe gebeten, mit ihr gemeinsam eine medizibische Reha beantragt und samt Widerspruch darum gekämpft und gewonnen. Ich habe (endlich) meinen Job gekündigt und fange im neuen Jahr eine neue spannende Aufgabe an. Seit diesen Entscheidungen für mich geht es mir deutlich besser. Ich habe angefangen, mich wichtig, aber nichzt zu wichtig zu nehmen. Ich bin direkter geworden und sage endlich öfter ’nein‘, wenn ich ’nein‘ denke. Bin gelassener in Bezug auf meine Alkoholerkrankung: Nach über zwei Jahren habe ich meiner Mutter endlich die Wahrheit wegen meiner Abstinenz gesagt. Erstaunen und einige kurze Nachfragen ihrerseits und das war’s. Hat gar nicht weh getan… ;o)
Zuguterletzt: Ich habe mich trotz Beziehung fremd verliebt. Verflixt.

Für das neue Jahr sagt mir ein Horoskop den Traumjob, die Traumwohnung und den Traumpartner und vieles mehr voraus. Na dann…
Doch am Schönsten finde ich das: „… Plötzlich fühlt sich alles so leicht und unbeschwert an. Daraus schöpfst du Mut und Kraft. (…), doch kommt ein Sturm auf, stellst du dich ihm nicht mehr entgegen, sondern lernst zu fliegen. Genieße die Aussicht…“

In diesem Sinne seid ihr herzlich eingeladen, mit mir zu fliegen. Ich wünsche euch und euren Lieben einen guten, gesunden, frohen, unbeschwerten, hoffnungsvollen (und so viel mehr) Beginn in das neue Jahr!

Seid herzlich umarmt

In Liebe
liza