Liebe Welt,

Clare Pooley beschreibt in ihrem Buch ihre ersten trockenen Tage als „rosa Wolke“, getragen von Euphorie über das neue Lebensgefühl. Später lauerten die Tücken der postakuten Entzugssymptome (PAWS) auf sie wie auf andere auch und drohten mit Rückfall… Gestern habe ich das Buch von Sarah Hepola „Blackout“ gelesen und war erschüttert. Sie hat sich in den ersten Wochen ihres Entzugs im Wandschrank verkrochen, um den Schmerz und den Druck auszuhalten. So unterschiedlich sind unsere Wege also und niemand kann vorhersagen, wie es dem Einzelnen ergehen wird. Bis auf das Ziel: frei vom Alkohol zu sein.

Und ich? Wie geht es mir? Ehrlich gesagt, sehr mies. In den ersten nüchternen Tagen war ich euphorisch und wahnsinnig erleichtert. Aber jetzt, befürchte ich, bin ich in eine fette depressive Phase gdriftet. Ich schleppe mich zur Arbeit, bin lustlos, möchte niemanden sehen, nicht reden (Unmöglich in dem Job.) und fühle mich unglaublich leer. Bin abends totmüde, aber dann schlafe ich schlecht und irgendwie zu wenig, obwohl ich früh ins Bett krieche. Und das vergangene Wochenende war extrem schlimm: Drei freie Tage (Okay, nicht komplett für mich, da Samstag eine Veranstaltung.) und ich wusste nicht, wohin mit mir. Ruhelos, todtraurig, und ich habe unglaublich meinen Freund vermisst. Ich wollte einfach nur seine Nähe und gehalten werden. Er war nicht da. Hat das Wochenende für sich mit viel Sport gefüllt, mir hunderte nichtsagende Nachrichten geschrieben über seine Trainingserfolge und seine Befindlichkeiten und kam nicht einmal auf die Idee, dass wir uns sehen könnten. Ich wäre sogar hingefahren. So dauert es noch weitere 14 Tage bis zu unseren nächsten zeitgleich freien Tagen. Und hier beginnt das große Grübeln: Was ist das, was wir haben?

Kürzlich las ich den Rat, ich solle genau daruf achten, wann mir der Alkohol fehlen würde oder in welchen Situationen ich früher getrunken hatte. Ich glaube, in solchen Momenten und Tagen wie die zurückliegenden. Wenn sich die innere Leere auftut und die Einsamkeit als riesige Welle über mich hinweg rollt. Dann möchte ich flüchten und ausblenden.
Das ist nun nicht mehr möglich: ich muss es ohne Betäubung aushalten, ich muss Leere füllen und Einsamkeiten ertragen lernen.

Es gibt in meinem Kopf eine Liste mit Dingen, die ich gern (wieder) täte, die ich vernachlässigt habe. Ach, ich habe sie sogar hier aufgeschrieben. Lesen, zeichnen, Zeit mit Freunden verbringen. Doch es ist seltsam, ich fühle mich im Moment wie gelähmt und kann mich – außer für Sport – zu nichts aufraffen. Möchte nicht reden, niemanden besuchen, möchte allein sein, aber dann doch wieder nicht. Laufen ist gerade das Einzige, was mich lebendig hält. Da kann ich mich spüren.

Für heute alles Liebe
Eliza